Was ist eigentlich „Multimedia Engineering“?

Nachdem ich neulich schon darüber berichtet habe, was der Unterschied zwischen der Bildbearbeitung und der Bildverarbeitung ist, komme ich zu einem weiteren Thema, welches etwas Erklärungsbedarf hat. Diesmal betrifft es jedoch weniger die Arbeit, das Studium „Multimedia Engineering“ sorgt diesmal für Verwirrung.

Inzwischen bin ich seit über 2 Jahren erwerbstätig, jedoch kam mir neulich wieder in den Sinn, wie es mir während meiner Bewerbungszeit erging. Ich will diesbezüglich jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, jedoch gab es eine mir gestellte Frage, die mir seither immer wieder durch den Kopf geistert: „Was ist eigentlich Multimedia-Engineering?“. Leider muss ich sagen, dass dies nicht das erste Mal war. Auch Verwandte und Bekannte haben mich vor und während des Studiums gefragt, was ich denn eigentlich lerne. Und nach dem Studium, wie denn nun meine Berufsbezeichnung lautet. Besonders interessant der Fall, wo Kommilitonen nicht über Inhalte gefragt wurden, sondern eher folgende fehlerhafte Feststellung geäußert wurde: „Ach, Webdesign und so was.“ Um den Vorurteilen und Fehlinformationen mal ein bisschen entgegenzuwirken, hier nun eine Zusammenfassung aus meiner Sicht.

Das ist nicht Multimedia Engineering

Bevor ich jedoch erkläre, was sich hinter dem Begriff verbirgt, erst einmal eine kurze Auflistung, was Multimedia Engineering definitiv NICHT ist:

  • Webdesign
  • Film- und Musikschnitt
  • Bildbearbeitung
  • Animationen
  • Fotografie

Es kann durchaus sein, dass einige Studenten und Absolventen Webseiten erstellen können, in der Bildbearbeitung gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen und auch Erfahrungen im Filmschnitt haben, jedoch wurde sich dieses Wissen im Selbststudium bereits vor, parallel zum oder nach dem Studium angeeignet. Es war jedenfalls kein Bestandteil davon. Okay, das Wahlpflichtfach HTML gab es, aber mehr auch nicht. Und es war, wie der Name sagt, Wahlpflichtfach…

Aber das schon eher

Vielmehr lag der Schwerpunkt (*) im Bereich der Softwareentwicklung. So wurde bereits im ersten Semester mit der Programmierung in Delphi und Assembler begonnen. Auch Matlab war in Grundzügen Bestandteil des Lehrplans. Dazu gab es dann Vorlesungen wie „Grundlagen Elektrotechnik“ und „Betriebssysteme“, wobei Letzteres nicht nur aus der Nennung der verschiedenen Windows- und Linux-Versionen bestand, sondern tiefgehende Informationen wie „Multitasking“, „Scheduling“ und „Mutual Exclusion“  vermittelt wurden.

Und so ging es dann auch weiter. Es kamen die Programmiersprachen C/C++ und Java hinzu, Datenbanken wurden über mehrere Semester behandelt, Digital- und Mikroprozessortechnik inkl. eines Hardwareprojektes gehörte dazu, Gebäudeautomatisierung und natürlich der Part des Software Engineerings. In diesem lernten wir alles Notwendige, was zur Planung, Konzeption und Umsetzung einschließlich Teststrategien und Abgabe von Software gehört.

Aber es blieb nicht nur im Bereich Technik und Programmierung. Mit „Management und Marketing“ sowie „Kosten- und Leistungsrechnung“ wurden auch wirtschaftliche Schwerpunkte vermittelt. Sogar das Fach „Medienrecht“ wurde behandelt, ein nicht ganz unwichtiges Thema, und auch eine Fortbildung zum betrieblichen Datenschutzbeauftragten fand statt.

Und es gab tatsächlich ein paar Vorlesungen, die im Namen und Stoff „Multimedia“ beinhalteten. Das waren u.a. „Multimediale Systeme“, in welchem Grundlagen von u.a. Kameras und Monitoren behandelt wurden, „Multimedia-Softwareengineering“, in welchem es um die Besonderheiten bei der Entwicklung von Multimedia-Software ging, und natürlich das „Multimediaprojekt“. In letztem hatte man alleine oder in kleinen Gruppen eine Aufgabe zu lösen, die in irgendeiner Form etwas mit Multimedia zu tun hatte. Meine Aufgabe war die Erstellung eines Visualisierungsplugins für virtuelle Räume, ein anderes Thema war beispielsweise die Steuerung eines Lego-Roboters per Sprache.

Insbesondere im Master wurden die Vorlesungen dann spezieller. So waren „Wissensextraktion“, „Sprachverarbeitung“, „Verteilte Systeme“ und auch „Bildverarbeitung“ relevante Studieninhalte. Und ein für mich sehr wichtiger Punkt: es gab im Bachelor wie auch im Master zu vielen Vorlesungen Praktika oder vorlesungsbegleitende Projekte, so dass das vermittelte Wissen gleich angewandt wurde.

Und was arbeitet mit Mutlimedia Engineering?

Um das Ganze jetzt mal zusammenzufassen, könnte ich die genannten Fächer einfach in einen Topf werfen und daraus ein mögliches Berufsfeld erstellen. Heraus käme dann jemand, der an einem Softwareprojekt arbeitet (ggf. auch im Bereich der Forschung), wobei dies schon bei der Ideenfindung und der Planung beginnen kann, und über die eigentliche (Software-)Entwicklung bis hin zur Vermarktung und Nachbetreuung führen kann (**).

Und zum Schluss möchte ich noch einen Blog-Beitrag eines Freundes empfehlen, der sehr gut in diese Kategorie passt (der Beitrag, nicht der Freund): Das hast du doch studiert… .

Sollten jetzt noch Fragen offen sein, so bitte ich, diese zu stellen. Sonst kann ich sie nicht beantworten!

Danke fürs Lesen!

PS: Ich hoffe, dass meine Einleitung nicht falsch verstanden wird. Das Problem ist nicht, nicht zu wissen was Multimedia Engineering beinhaltet, sondern dass hier ein Name für einen Studiengang gewählt wurde, der den irreführenden Begriff „Multimedia“ enthält. Ich mache also den Fragestellern keinen Vorwurf 😉

* Alle Informationen beziehen sich auf das Bachelor- und Master-Studium Multimedia Engineering an der Hochschule Wismar (Studiumsbeginn 2004 bzw. 2007) . Der Lehrplan wurde inzwischen etwas umgestellt.

** Allerdings sehen uns einige auch als eine Art Allzweckwaffe, was heißt, dass einige auch Internetkriminalität bekämpfen oder in eine ganz andere Branche gewechselt haben.

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