Am Fahrstuhl in Berlin…

Ich lebe in Berlin. Nicht schon seit immer, erst ein paar Jahre (> 5). Anfangs eine mir zu große und hektische Stadt, inzwischen habe ich mich an vieles gewöhnt und vieles auch liebgewonnen. So macht es mir nichts mehr aus, wenn die Massen am Morgen und Abend zwischen dem U-Bhf und S-Bhf hektisch versuchen, den nächsten Zug zu erreichen (täglich), wenn Musiker mir schiefe Töne vorspielen (sehr selten) und Straßenfeger-Verkäufer mich auf vier verschiedene Sprachen ansprechen (hin und wieder). Lautstarken Unterhaltungen im Nahverkehr wie „geil die letzte Nacht“ doch war, überhöre ich (meistens) und wenn mir jemand dumme Bemerkungen hinterherwirft, lässt mich das in der Regel kalt. Doch es gab da neulich eine Situation am Fahrstuhl des S-Bahnhofs, die mich extrem verärgert hat und ich weiß nicht, wie ich da reagieren soll…

Fahrstuhl als Toilettenersatz – einfach widerlich!

Ich kam mit einem Kinderwagen aus der S-Bahn und ging zum Fahrstuhl. Dieser ist etwas versteckt, noch hinter der Treppe, so dass ich ziemlich alleine bin. Auf dem Nachbargleis ist es ähnlich, auch dort führt ein schmaler Weg an der überdachten Treppe vorbei zum Fahrstuhl. Dort, direkt neben der Fahrstuhltür, stellte sich in dem Moment ein junger, kräftiger Mann hin und fing an zu urinieren. Just in dem Augenblick ging die besagte Fahrstuhltür auf und ein älteres Paar stieg aus dem Fahrstuhl aus, bog um die Ecke auf eben jenen Weg und sah natürlich den Mann. Dieser rief irgendeine Art von Entschuldigung, das Paar setzte seinen Weg fort – an ihm vorbei, denn er stand ja nun mal auf dem Weg. Die Dame lachte dabei, vielleicht wegen seiner Worte, aber ich hatte das Gefühl, dass dieses Lachen ein Zeichen dafür war, dass sie sich nicht wohlfühlte. Irgendwann war er natürlich fertig und ging wieder zurück zu seinen Freunden.

Tja, ist ja nicht so schlimm, jeder muss hin und wieder und dann muss man das halt so machen“, denkt sich vielleicht der eine oder andere. Ich denke das nicht. Nein, ich bin einer, der die Fahrstühle nahezu täglich benutzt und es ist verdammt widerlich, wenn man

  • auf dem Weg zum Fahrstuhl ständig durch stinkende Pfützen gehen muss.
  • sich nicht traut, den Knopf für den Fahrstuhl zu drücken, da er verschmiert und nass ist.
  • im Fahrstuhl nicht atmen möchte, da auch dort mindestens 3 Leute ihr Geschäft verrichtet haben.

Was ist mit denen, die auf Fahrstühle angewiesen sind?

Es gibt so viele Menschen, die auf Fahrstühle angewiesen sind, entweder, weil sie einen Kinderwagen schieben oder schweres Gepäck mit sich führen, weil sie nicht gut Treppe steigen können oder im Rollstuhl sitzen. Und diese Leute haben keine Wahl: sie müssen in der Regel da durch – im wahrsten Sinne des Wortes. Und gerade kleine Kinder neigen dazu, hinzufallen oder alles anzufassen, insbesondere Fahrstuhlknöpfe, die leuchten.

Das führt dann teilweise dazu, dass andere Personen den Knopf des Fahrstuhls mit ihrem Schuh benutzen. Der Schuh, mit dem sie gerade sonstwo langgelaufen sind. Ich stand daneben, die Person hat es nicht gestört. In dem Augenblick fiel mir einfach nichts dazu ein…

Hier ein Lösungsvorschlag

Aber vielleicht können S-Bahn und BVG ja etwas dagegen tun. Und damit meine ich nicht Kameras und Wachpersonal. Nein, es gab da vor einigen Monaten mal einen interessanten Bericht über ein Projekt in Hamburg bzw. St. Pauli um „Wildpinklern“ einhalt zu gebieten. Name: Wirpinkelnzurueck.de (oder: St. Pauli pinkelt zurück), Die Initiatoren hatten vereinzelt Wände mit einem superhydrophoben Lack (stark Wasserabweisend) behandelt, der aufprallende Flüssigkeiten nahezu im selben Winkel abprallen lässt. Das Resultat kann man sich denken. Ein Video erklärt den Rest:

Wie in einzelnen Interviews erklärt wurde, ist der Lack nicht ganz günstig. Für eine Fläche von 6 m² muss mit Kosten in Höhe von 500 € gerechnet werden. Für alle Pinkelecken in Berlin ist das sicher zu teuer, aber vielleicht kann man zumindest in besonders relevanten Bereichen, wie dem Fahrstuhl, eine Versuchsreihe starten…

Also liebe BVG und liebe S-Bahn: denkt doch bitte mal über diese Idee nach. Meine Familie wäre jedenfalls dankbar!

Hochachtungsvoll

Ihr derPfaff

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